Bizarr

Writing by admin on Wednesday, 18 of February , 2009 at 1:54 pm

Die Größe und Masse von Käfern kann man relativ einfach ermitteln, entsprechende Quellen über die Kleinsten, Größten oder Schwersten sind im www unschwer zu finden. Anders sieht es mit Käfern aus, die besonders durch ihr bizarres Erscheinungsbild auffallen. Über die Frage, welcher der Bizarrste ist, entscheidet das subjektive Auge des Betrachters. Ich traue mir aber trotzdem zu, hier ein paar Anwärter auf den Titel “most bizzare” zu posten. Fällt Euch auch noch etwas dazu ein? Postet es einfach.

Hypocephalus armatus (Desmarest, 1832) ist ein wühlender Käfer aus der Familie der Vesperidae (Bockkäfer, Cerambycidae). Das Verbreitungsgebiet dieser einzigartigen Art liegt in Süd-Ost-Brasilien. Die große Ähnlichkeit mit Maulwurfsgrillen ist durch die funktionsmorphologischen Anpassung an die unterirdische Lebensweise bedingt und repräsentiert ein sehr schönes Beispiel für Homologie. Die morphologischen Besonderheiten haben dazu geführt, daß die Art lange Zeit taxonomisch nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Aufgrund anthropogener Einflüsse gilt der Bestand der Art als gefährdet (ist man nicht mal unter der Erde sicher?).

Hypocephalus armatus on Coelop-Terra

Diesen lustigen Kerl habe ich in einer Aufsammlung aus Sumatra entdeckt, genau in dieser „Pose“. Die verlängerten Tibien des hintersten Beinpaares befähigen die Art wahrscheinlich zu kleinen Sprüngen. Die Gesamtlänge (incl. Beine) beträgt 2 cm. Mir ist es noch nicht gelungen, ihn zu bestimmen, wenn ihr mir weiterhelfen könnt, bitte posten.

Das unten abgebildete Exemplar gehört zur Unterfamilie der Chlamydopsinae (Familie Histeridae), deren Vertreter ausschließlich kommensal in Ameisen- oder Termitennestern leben. Die Käfer fressen Larven, verwundete oder tote Ameisen bzw. Termiten. Die Unterfamilie umfasst 174 Arten (Caterino & Dégallier 2007), deren Verbreitungsgebiet sich hauptsächlich über Australien und Süd-Ost-Asien erstreckt.

Viele Arten tragen ein Paar Haarbüschel auf den Elytren, die der Täuschung des Fühlertastsinnes des Wirtes dienen und auf eine fortgeschrittene Assoziation (Symphilie) von Käfer und Ameise schliessen lassen. Histeriden (auch Stutzkäfer, im Englischen clown beetles) kommen weltweit vor, viele Arten leben in Nestern und Bauten von Säugern und Vögeln, wo sie Eier und Larven von Fliegen und Flöhen fressen. Weltweit sind etwa 3.900 Arten und 330 Gattungen bekannt, in Mitteleuropa kommen etwa 100 Arten vor.

Chlamydopsis-Seite von M. Caterino
Histeridae-Seite von Masahiro Ohara

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Category: Coleoptera

Deltochilum valgum

Writing by coleopterra on Thursday, 27 of December , 2007 at 11:08 pm

Deltochilum valgum ist ein sogenannter Dungkäfer, der wie der Name suggeriert, eigentlich Dung (oder Fallobst und Pilze) fressen müsste. Alle anderen bekannten 5000 Dung-Käfer-Arten weltweit tun das jedenfalls. D.valgum ist aber ein Räuber, der sich auf die Jagd von Millipeden spezialisiert hat. Ertappt wurde der Räuber bei seinem nächtlichen Treiben im peruanischen Regenwald von Trond Larsen und Kollegen. In einem langangelegten Versuch fanden die Wissenschaftler heraus, daß sich D.valgum im Gegensatz zu anderen Arten nur mit Fallen fangen lässt, die mit lebenden Millipeden bestückt sind. Die “Dungkäfer” sind in der Lage, Beute zu erlegen, die bis zu 14mal schwerer ist. Dabei wird der scharfkantige Vorderteil des Kopfes in die Intersegmentalhaut des Millipeden gedrückt und diese soweit getrennt, bis die Beute “geköpft” ist. Anschliessend wird der erlegte Millipede in Stücke gebrochen und ausgeschlürft. Interessant ist nicht nur die erlernte Jagdtechnik, auch Kopfform (a) und Tibia (b) des letzten Beinpaares sind morphologisch an diese Lebensweise angepasst. Die Kopfform erleichtert die Aufnahme der Nahrung aus den Segmenten des Millipeden, die gebogene Form der Tibia dessen Transport. Womit die Larven ernährt werden, ist bisher unklar. Andere Arten rollen dafür Dungkugeln in ihren Bau. Durch das Drehen von Pillen wurden Dungkäfer für die alten Ägypter zu Symboltieren für die aufgehende Sonne, Deltochilum valgum könnte zum Symboltier für die Triebkraft der Evolution avancieren.

Quelle:
Larsen, T. H., A. Lopera, A. Forsyth and F. Génier. 2009. From coprophagy to predation: a dung beetle that kills millipedes. Biology Letters DOI: 10.1098/rsbl.2008.0654.

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Category: Coleoptera

Autor

Robert Perger ist Diplom-Biologe mit Schwerpunkt Arthropoda (Physiologie und populationsdynamik der Crustacea und Diversitaets- abschaetzung von Coleoptera)